4.2 Umlaufvermögen (!)

Definition

Das Umlaufvermögen ist das Vermögen, dass dem Unternehmen kurzfristig dient. Unter Umlaufvermögen fallen Vorräte, Forderungen, Darlehen usw. (Siehe Kapitel 2.3)

Vorrat 

Vorräte sind kurzfristig dienende Hilfsstoffe. Wie jedes Umlaufvermögen, haben Vorräte auch eine Nutzungsdauer weniger als ein Jahr. Daher werden Vorräte nicht planmäßig abgeschrieben. 

Vorräte umfassen sowohl fertige als auch unfertige Betriebsstoffe. 

Bewertung von Vorräten 

Es gibt drei mögliche Arten von Bewertung der Vorräte. Um die Vorräte zu bewerten, sind folgende zwei Schritte notwendig:

  1. Einkaufsbuchungen: Die gekauften Warenmengen werden mit den aktuellen Einkaufspreisen multipliziert. Dieser Betrag samt Vorsteuer wird auf der Aktivseite und Zahlungsmethode (Kassa bzw. Bank) auf der Passivseite gebucht. 
  2. Verkaufsbuchungen: Die verkauften Warenmengen werden mit den aktuellen Verkaufspreisen multipliziert. Dieser Betrag enthält die Umsatzsteuer! Dieser Betrag und die Umsatzsteuer werden separat auf der Passivseite und die Zahlungsmethode (Bank bzw. Kassa) wird auf der Aktivseite gebucht.

Abhängig von der Bewertungsmethode werden die Vorräte außerplanmäßig abgebucht!

Identitätspreisverfahren

In diesem Verfahren muss man bestimmte Werte ermitteln. Gegeben ist immer ein Lagerstand, Alt- und Neueinkaufspreise und Verkaufspreise. 

  • Zugang: Einkaufsmenge x Neueinkaufspreis
  • Abgang: Verkaufsmenge x Neueinkaufspreis
  • Soll-Endbestand: bezeichnet die Menge, die im Lager mit Ende des Geschäftsjahres übrig bleiben sollte! Soll-Endbestand berechnet man: Zugang – Abgang
  • Ist-Endbestand: Gegebener Lagerstand x Neueinkaufspreis
  • Schwund: Soll-Endbestand – Ist-Endbestand
  • Abwertung: Gegebene Lagerbestand x (Neueinkaufspreis – Alteinkaufspreis)
  • Bilanzansatz: Ist-Endbestand – Abwertung

Um die Vorräte abzuschreiben, werden (I) Abgang (unter Handelswareneinsatz), (II) Schwund und (III) Abwertung (beide unter Abschreibung) separat auf der Aktivseite und abgeschriebene Vorräte auf der Passivseite abgebucht.

Gleitendes Durchschnittspreisverfahren

In diesem Verfahren muss man immer den Preismittelwert ermitteln! Dieser Mittelwert wird grundsätzlich aufgerundet!

Jede Transaktion wird nach der Reihenfolge in der Angabe mit dem Neueinkaufspreis kalkuliert. Falls eine neue Ware mit einem anderen Neueinkaufspreis dazu kommt, dann wird der Mittelwert von diesen zwei Einkaufswerte ermittelt und dieser Durchschnittspreis wird für die nächsten Schritte benutzt!

Wenn alle Transaktionen nach der Reihenfolge mit diesen abweichenden Durchschnittspreisen kalkuliert werden, dann wird von diesem Betrag noch Schwund [(Soll-Endbestandsmenge – Ist-Endbestandsmenge) x Durchschnittspreis] abgezogen.

Als letzter Schritt wird der Bilanzansatz (bis zum letzten Schritt ermittelte Menge) wird mit dem Durchschnittspreis von Alteinkaufspreisen multipliziert. Dieser Betrag wird auch subtrahiert und dadurch entsteht die Abwertung.

Der Handelswareneinsatz (Summe aller Abgänge), Schwund und Bilanzansatz (unter Abschreibung) auf der Aktivseite und die Vorräte auf der Passivseite abgebucht!

Fifo-, Lifo-, Hifo-Verfahren:

Die Bewertung von Vorräten soll auskunft über die Menge, den Wert und den Schwund im Laufe des Jahres geben. Hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze. 

First in-First out:  

Um den Wert des Endbestandes und Anfangsbestandes zu bestimmen wird beim FIFO-Verfahren davon ausgegangen, dass Vorräte die als erstes zugegangen sind auch als erstes verkauft werden. Bei der Berechnung des Endbestandes wird deswegen der letzte Zukauf als erstes berücksichtigt (was zuletzt zugekauft wurde wird als letztes verkauft).

Die Berechnung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Bestimmung des Endbestandes. Die Menge des Endbestandes setzt sich zusammen aus dem Anfangsbestand + alle Zukäufe – alle Abgänge. 
  2. Bewertung des Endbestandes. Man beginnt mit dem letzten Zukauf und bewertet die größtmögliche Menge des Endbestandes mit diesem Preis. War der Zukauf kleiner als der Endbestand so ist die maximale Menge und der Preis des vorletzten Zukaufs zu wählen. Waren alle Zukäufe nicht genug Menge um den gesamten Endbestand zu bewerten so kann auch der Anfangsbestand hinzugezogen werden.
  3. Ermittlung Anfangsbestand. Wie viel vom Anfangsbestand noch vorhanden ist ergibt sich durch das Abziehen aller Abgänge vom Anfangsbestand. 

Hinweis: Wurde eine gewisse Menge bei der Berechnung des Endbestandes vom Anfangsbestand abgezogen, so bedeutet es, dass die diese Menge nicht verkauft wurde und am Ende des Jahres noch da ist. Dreht man diesen Gedanken um, so kann man davon ausgehen, dass die nicht abgezogene Menge des Anfangsbestandes also verkauft wurde (da sie zum Zeitpunkt des Endbestandes nicht mehr im Lager ist).

Fifo-Verfahren, Rohstoffe: 

  • Anfangsbestand: 500 kg = 2000,-
  • 1. Zukauf: 300 kg zu 5,40
  • 2. Zukauf: 890 kg zu 5,10
  • 3. Zukauf: 600 kg zu 5,55
  • Endbestand: 675 kg zu 5,35 (Preis am Bilanzstichtag)
    • Es wurden 1530 kg im Laufe des Jahres verkauft. 
  • 1. Schritt: Endbestand – Anfangsbestand = Vermehrung / Verminderung
    • Endbestand: 600 kg x 5,35 = 3210 + 75 kg x 5,10 = 3592,50
    • 3592,50 – 2000= 1592,50 Vermehrung 
  • Buchhungssatz:
1Handelswaren-Vorrat1592.50an5Handelswareneinsatz1592.50
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.1)
  • 2. Schritt: Abwertung/Schwund 
    • Abwertung: 600 kg um 0,20 = 120 (5,55 mussten um 0,20 abgewertet werden da Preis am Bilanzstichtag 5,35 beträgt) 
    • Hinweis: 600 kg die bei der Berechnung des Endbestandes verwendet wurden. 
    • Schwund: 500+300+890+600= 2290 kg (sollten da sein)
    • 1530+675=2205 (sind tatsächlich da)
    • 2290-2205= -85 kg Schwund
    • 85 kg zu 5,10= 433,5
  • Buchungssatz:
7Abschreibung von Vorräten553.5an5Handelswareneinsatz553.5
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.2)

Last in-First out: 

Das LIFO-Verfahren geht davon aus, dass die letzten Zugänge als erstes verkauft werden. Bei der Berechnung des Endbestandes wird der Anfangsbestand und die ersten Zugänge somit als erstes berücksichtigt. Wenn die zuletzt zugegangenen Waren als erstes verkauft werden so sind die zuerst zugegangenen Waren am wahrscheinlichsten noch im Lager zum Zeitpunkt des Endbestandes. Die Berechnung der Mengen von End- und Anfangsbestand ist hierbei identisch zu dem FIFO-Verfahren, lediglich die verwendeten Preise verändern sich.

Beispiel: 

  • Anfangsbestand: 2000 kg zu je 5,- (10000 gesamt).
  • Zukauf: 200 kg zu je 5,10
  • Abgang: 50 kg 
  • Zukauf: 100 kg zu je 5,35
  • Abgang: 200 kg
  • Zukauf: 250 kg zu je 5,50
  • Laut Inventur befinden sich am Jahresende 2250 kg im Lager. 
  • Endbestand= Anfangsbestand + alle Zugänge – alle Abgänge
    • 2000 + 200 + 100 + 250 – 50 – 200 = 2300 Endbestand
  • Wert des Endbestandes: 
    • 2000 x 5= 10000 (es fehlen noch 300 kg)
    • 200 x 5,10= 1020 (es fehlen noch 100 kg)
    • 100 x 5,35= 535 
    • Wert des Endbestandes = 1000 + 1020 + 535 = 11555
  • Endbestand – Anfangsbestand = Vermehrung / Verminderung des Lagerbestandes
    • 11555 – 10000 = 1555 Vermehrung 
  • Buchungssatz:
1Handelswaren-Vorrat1555an5Handelswareneinsatz1555
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.3)
Hinweis: Bei einer Verminderung des Lagerbestandes wäre der Buchungssatz umgedreht.
  • Schwund/Abwertung:
    • Es wurde keine Abwertung vorgenommen. 
  • Schwund: 
    • 2300 kg sollten da sein (SOLL-Endbestand)
    • 2250 kg sind da (IST-Endbestand) 
    • 50 kg Schwund zu je 5,50 = 275
  • Buchungssatz:
7Abschreibung von Vorräten275an5Handelswareneinsatz275
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.4)

Highest in-First out:

Das HIFO-Verfahren bewertet Vorräte nach dem Prinzip, dass Vorräte mit dem höchsten Preis zuerst verkauft werden. Für die Berechnung des Endbestandes werden Zukäufe mit dem geringsten Preis also zuerst berücksichtigt (da sie zuletzt verkauft werden würden). 

  • Beispiel: 
  • Anfangsbestand: 2000 kg zu je 5,- (10000 gesamt).
  • Zukauf: 200 kg zu je 5,10
  • Abgang: 50 kg 
  • Zukauf: 100 kg zu je 5,35
  • Abgang: 200 kg
  • Zukauf: 250 kg zu je 5,50
  • Laut Inventur befinden sich am Jahresende 2250 kg im Lager. 
  • Endbestand= Anfangsbestand + alle Zugänge – alle Abgänge
  • Endbestand = 2300 
    • 250 kg x 5,50 = 1375 (es fehlen noch 2050)
    • 100 kg x 5,35 = 535 (es fehlen noch 1950)
    • 200 kg x 5,10 = 1020 (es fehlen noch 1750)
    • 1750 kg x 5,- = 8750
  • Wert des Endbestandes = 1375 + 535 + 1020 + 8750 = 11680 
  • Endbestand – Anfangsbestand = Vermehrung / Verminderung 
    • 11680 – 10000= 1680 Vermehrung 
  • Buchungssatz
1Handelswaren-Vorrat1680an5Handelswareneinsatz1680
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.5)
  • Schwund/Abwertung: 
  • Keine Abwertungen.
  • Schwund:
    • SOLL-Endbestand = 2300
    • IST-Endbestand = 2250 
    • 50 kg Schwund zu je 5,- = 250 
  • Buchungssatz:
7Abschreibung von Vorräten250an5Handelswareneinsatz250
Umlaufvermögen Abbildung (4.2.6)

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